FRÜher*

1918

1953

1962

1969

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1973

1977

1980

1994

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1994

1997

2017

2022

2024

FRÜher*

Hätt’s das nicht gegeben

Der Weg zur Gleichberechtigung – Ein Selbstläufer?

Leider nicht! Fortschritte im Bereich der Gleichberechtigung sind immer das Ergebnis jahrelanger Kämpfe. Und sie sind teilweise immer noch bedroht. Begib dich hier auf eine Zeitreise gesellschaftlicher und politischer Veränderungen, Widerstände und Errungenschaften.

1918

Frauen dürfen wählen

In Deutschland wird das Frauenwahlrecht 1918 eingeführt. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung 1919 betrug die Wahlbeteiligung der Frauen 82,3 Prozent.

1958

Gleichberech­tigung wird Gesetz

Im April 1949 wird erstmalig die Gleichberechtigung von Frau und Mann in die Verfassung aufgenommen. Das dazugehörige Gesetz wird erst 1958 verabschiedet.

1961

Selbst­bestimmte Verhütung

Die Anti-Baby-Pille wird in der BRD zugelassen – anfangs nur für verheiratete Frauen. Sie galt damals als Meilenstein der sexuellen und körperlichen Selbstbestimmung.

1969

Illustration diverser Menschen, die nachts vor und in einem lauschigen Lokal feiern

© Luisa Jung

Hätte es vor 1969 nicht gegeben

Weltweiter Einsatz für queere Rechte

Widerstand in Stonewall

Razzien, Festnahmen wegen „anstößigen Verhaltens“ und polizeiliche Willkür in Homosexuellen-Bars hatte es in den USA schon zuvor gegeben. In der New Yorker Bar Stonewall Inn in der Christopher Street kam es in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 zum ersten Mal zum Aufstand von People of Color und Lesben, Schwulen, Bisexuellen sowie trans- und intergeschlechtlichen Menschen gegen Diskriminierung und Kriminalisierung durch die Polizei. Erst nach 5 Tagen beruhigte sich die Situation. Es ist die Geburtsstunde einer weltweiten Bewegung, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität wehrt. An die Ereignisse erinnert weltweit der alljährlich stattfindende Christopher-Street-Day.

1973

In einem Paketzentrum arbeiten diverse Menschen an einem Laufband

© Luisa Jung

Hätte es vor 1973 nicht gegeben

Gleiche Lohngruppe

Streik bei Pierburg

Bei der Firma Pierburg in Neuss entbrannte 1973 ein von migrantischen Frauen angeführter Streik gegen die Lohndiskriminierung. Allein das Geschlecht reichte damals aus, um als Frau in die so genannte Leichtlohngruppe eingruppiert zu werden und damit weniger zu verdienen als Männer. Trotz gewaltsamer Gegenmaßnahmen wurde die Abschaffung der Leichtlohngruppe bei Pierburg erkämpft. Es war ein Grundstein für das bundesweite Verbot der Leichtlohngruppe durch das Arbeitsgericht 1988. Trotz rechtlicher Vorgaben ist die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei gleicher Arbeit bis heute nicht überwunden (Gender-Pay-Gap). 

1977

Eine Frau und ein Mann bereiten sich im Spiegel auf ihren Arbeitstag vor

© Luisa Jung

Hätte es vor 1977 nicht gegeben

Arbeiten ohne Erlaubnis

Reform des Ehe- und Familienrechts

Seit der Reform in Westdeutschland erlaubt das Gesetz u.a. ausdrücklich beiden Eheleuten, erwerbstätig zu sein. Diese Änderung bedeutete das Ende der sogenannten „Hausfrauenehe“. Vor der Reform durften Ehefrauen nur arbeiten, wenn dies mit ihren „Pflichten als Hausfrau und Mutter“ vereinbar war. Die gesetzliche Aufgabenteilung innerhalb der Ehe wurde abgeschafft, und die Entscheidung über die Rollenverteilung liegt nun bei den Eheleuten selbst. Um arbeiten zu dürfen, benötigten Frauen bisher die Erlaubnis ihres Ehemanns. Bis 1958 konnte der Ehemann Arbeitsverträge seiner Frau ohne ihre Zustimmung kündigen und erst ab 1962 durften Frauen ein eigenes Konto eröffnen.

Mitte der 1980er

Hätte es vor Mitte der 1980er nicht gegeben

Einbeziehung der Perspek­tiven Schwarzer Frauen

Entstehung der Schwarzen feministischen Frauenbewegung

„Frausein“ und Feminismus war bisher vorwiegend von weißen Frauen geprägt, Schwarze Frauen wurden kaum wahrgenommen. Jetzt begannen sie, sich verstärkt zu artikulieren. In Deutschland setzte sich insbesondere die Afro-Deutsche May Ayim stark für die Sichtbarkeit afro-deutscher Identitäten ein. Dies führte zur Gründung von ADEFRA (afrodeutsche Frauen), dem ersten Zusammenschluss von Schwarzen Frauen in der Nachkriegszeit. Sie trugen maßgeblich zum Problembewusstsein über Rassismus bei, entwickelten den Begriff „afrodeutsch“ und initiierten Empowerment Schwarzer Frauen.

1994

Hätte es vor 1994 nicht gegeben

Entkrimi­nalisierung von Homo­sexualität

Abschaffung §175 StGB

Der Paragraph 175 StGB kriminalisierte 123 Jahre lang Homosexualität und legitimierte staatliche Verfolgung. Seine Geschichte geht zurück bis zum spätantiken und frühmittelalterlichen Sündendenken. Während der NS-Zeit wurden tausende schwule Männer in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Auch in der BRD blieb das Gesetz in der Nazi-Fassung unverändert in Kraft. 1969 wurde die Entkriminalisierung „einfacher Homosexualität“ beschlossen. Im Namen des Jugendschutzes wurde die Verfolgung jedoch auch danach nicht eingestellt. Erst am 10. März 1994 wurde §175 in der BRD schließlich gestrichen.

1997

Verbot von Vergewaltigung in der Ehe

Nach zähem parlamentarischem Ringen, beschloss der Bundestag, Vergewaltigung in der Ehe von nun an als Verbrechen zu bewerten. Knapp 23 % der Abgeordneten – überwiegend Männer – stimmten dagegen.  

2017

Eine Gruppe diverser weiblich gelesener Personen steht vor einer Menschenmenge mit Smartphones auf einer Bühne

© Luisa Jung

Hätte es vor 2017 nicht gegeben

Weltweite Debatte über sexualisierte Gewalt

#MeToo Bewegung

2017 wurde der Weinstein-Skandal publik, bei dem mehrere Frauen den Filmmogul Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung, Nötigung oder der Vergewaltigung beschuldigt hatten. Daraufhin rief die Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter dazu auf, von den eigenen Geschichten sexualisierter Gewalt zu erzählen und dazu das Hashtag „MeToo“ zu verwenden. Unzählige Frauen (und Männer) folgten weltweit ihrem Aufruf. Dies löste eine breite öffentliche Debatte aus und ist ein Synonym geworden für das Erleben und Offenlegen sexualisierter Gewalt und strukturellem männlichem Machtmissbrauch.

2017

Ehe für alle

Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Juni 2017 war ein Meilenstein im jahrzehntelangen Kampf für die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlich liebender Menschen.

2022

Straffrei informieren

Am 19. Juli 2022 wurde in einer knappen Abstimmung der Paragraph 219a StGB abgeschafft. Ärzt*innen können von nun an Informationen über Schwangerschaftsabbrüche bereitstellen, ohne Strafanzeige oder -verfolgung fürchten zu müssen.

2024

Hätte es vor 2024 nicht gegeben

Recht auf selbstbestimmte Änderung des Geschlechts

Bundestag beschließt Selbstbestimmungsgesetz

Das seit 1980 bestehende, verfassungswidrige „Transsexuellengesetz“ wird ab November 2024 durch das „Selbstbestimmungsgesetz“ abgelöst. Dies soll das pathologisierende, diskriminierende und fremdbestimmte Verfahren zur Abänderung des Geschlechtseintrags und Vornamens beenden und trans*, inter- und nicht binären Personen eine selbstbestimmte rechtliche Änderung ermöglichen. Initiativen und Verbände kritisieren das Gesetz als lückenhaft und nicht weitreichend genug. Dennoch ist es ein Paradigmenwechsel hin zu geschlechtlicher Selbstbestimmung.

2025, 2026, 2027

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Ist das alles selbstverständlich?

Nein – ist es nicht!

Feministische Errungenschaften sind das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe und ihr Fortbestehen ist alles andere als selbstverständlich. Im Gegenteil: Aktuell erstarken wieder Gegenbewegungen, die sich aktiv und organisiert gegen feministische Anliegen richten – auch gegen viele der Errungenschaften, die ihr im Zeitstrahl seht. Dieses Phänomen wird Antifeminismus genannt. Antifeminist*innen sind gegen Rechte von Frauen und queeren Personen, propagieren traditionelle Rollen- und Familienbilder und lehnen Geschlechtergerechtigkeit ab. Antifeminismus ist fester Bestandteil rechtsextremer Ideologie.

Du fragst dich, was das alles zu bedeuten hat und möchtest mehr über Antifeminismus erfahren?

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